-Maximilian Beyer im Punktefahren mit taktischem Geschick-

Am dritten Tag der Europameisterschaften im Berliner Velodrom vor der guten Kulisse von 2.920 Besuchern gab es nicht nur die erste Medaille für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) im Ausdauerbereich, vielmehr war es ein Berliner, der diesen Erfolg herausfuhr. Der jetzt für die Maloja Pushbikers fahrende Maximilian Beyer sorgte für eine Bronzemedaille, die er nach etwas verhaltenem Start in der ersten Hälfte des Punktefahrens über 40 km mit taktisch guter Fahrweise überglücklich in Empfang nehmen konnte.

Der nachnominierte Berliner brach den Bann für den Ausdauerbereich des BDR und holte damit als Erster die Kastanien aus dem Feuer. Er gehörte zu den sieben Fahrern, die einen Rundengewinn vollzogen und hatte dabei im richtigen Augenblick seine Chance erkannt. Gegen die starke Leistung des Polen Alan Banaszek, der mit 49 Punkten am Ende Gold holte und den Dänen Niklas Larsen mit 45 Punkten hinter sich ließ, hatte Maximilian Beyer mit 34 Punkten das Nachsehen, aber Bronze war allemal der Lohn für seine hervorragende Leistung und ließ ihn jubeln. „Ich bin mehr als zufrieden, obwohl es am Anfang nicht gut für mich lief“, gestand der Berliner, der in der nächsten Woche die Sixdays von London an der Seite von Sebastian Schmiedel bestreitet, den Weltcup in Manchester und auch die Sixdays in seiner Heimatstadt im Visier hat.

Maximilian Beyer, der sich in seiner Heimatstadt beim SC Berlin seine ersten Sporen verdient hat, hat bei dieser Europameisterschaft einmal mehr sein außergewöhnliches Talent für den Bahnrennsport unter Beweis gestellt. Diese Leistung sollte auch Ansporn für seinen ehemaligen Teamkameraden Theo Reinhardt sein, der am Schlusstag im Madison an der Seite von Kersten Thiele durchaus eine Chance besitzt, eine weitere Medaille für den BDR einzufahren. Darüber würde sich auch der Berliner Radsport Verband e.V. (BRV) freuen, der zur Entwicklung dieser beiden Athleten nicht unwesentlich beigetragen hat.

 

Bernd Mülle

Foto: Facebookseite Maximilian Beyer

- Für Maximilian Beyer war im Ausscheidungsfahren mehr drin –

Am zweiten Tag der Bahn-Europameisterschaften im Berliner Velodrom kamen mit Charlotte Becker im Punktefahren und Maximilian Beyer im Ausscheidungsfahren wieder zwei Athleten für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zum Einsatz, die in Berlin beheimatet sind und ihren sogenannten Heimvorteil nutzen wollten. Die von ihrem Sturz am Vortag in der Mannschaftsverfolgung nur wenig beeindruckte Charlotte Becker fuhr im Punktefahren ein Rennen mit Übersicht, sich aus den vielen Positionskämpfen heraushaltend, um einer möglichen Sturzgefahr aus dem Wege zu gehen. Das Fahren im Pulk ist nicht unbedingt ihr Ding, aber dafür macht ihr kaum eine Gegnerin in puncto Taktik etwas vor.

In dem von der starken Dänin Trine Schmidt geprägten Rennen über 25 km mit 10 Sprints zählte die Berlinerin zu den sechs Fahrerinnen, die einen Rundengewinn herausfuhren und damit konnte sie zusätzlich 20 Bonuspunkte auf ihrem Konto verbuchen. Da sie sich aber aus den Sprints heraushielt und lediglich in der fünften Wertung als Zweite auf dem Weg zum Rundengewinn punktete, blieb für sie am Ende der sechste Platz mit 23 Punkten übrig, der aber dennoch aller Ehren wert war. Überragend wurde das Rennen von der Dänin Trine Schmidt gestaltet, die als einzige zwei Rundengewinne vollzog und damit auf die stolze Punktzahl 62 kam, die zum unangefochtenen Europameistertitel führte. Der zweite Platz ging an die Russin Gulnaz Badykova mit 31 Punkten vor der Weißrussin Tatsiana Sharakova mit 29 Punkten, die am Ende Bronze gewann und dabei punktgleich mit der Norwegerin Anita Yvonne Stenberg (4.) war. Die weiteren Medaillen hinter der Dänin waren also hart umkämpft, was auch der fünfte Platz der Tschechin Jarmila Machacova unterstrich, die mit 28 Punkten nur einen Zähler weniger erzielt hatte.

Mit großer Zuversicht ging der Berliner Maximilian Beyer in das Ausscheidungsfahren, wo man durchaus die erste Medaille für den BDR im Ausdauerbereich im Visier hatte. Er fuhr zunächst taktisch sehr klug, stets die Übersicht behaltend, so dass man den Eindruck hatte, dass er das Rennen auf seiner ihm bestens bekannten Heimpiste im Griff zu haben schien. Aber in einem mit harten Positionskämpfen ausgetragenen Rennen ist es oftmals nur eine kleine Situation, die zum Nachteil werden kann. So war es auch im Falle des Berliners, der sich beim Glockenzeichen zur Ausscheidungsrunde verschätzte, keinen Ausweg mehr aus seiner misslichen, eingeklemmten Position fand und ausscheiden musste. Der Sieg ging schließlich an den jungen Belgier Gerben Thijssen vor dem Russen Maksim Piskunov und dem überglücklichen Portugiesen Rui Oliveira, während für Maximilian Beyer nur der 13. Platz unter 20 Startern übrig blieb.  

Dennoch sollte sich der Berliner nicht grämen, denn er bekommt am Samstag im Punktefahren über 40 km eine zweite Chance, die er dann eventuell nutzen kann. In der Hoffnung, dass er seine Enttäuschung nach seinem Mißgeschick beim Ausscheidungsfahren überwunden hat, sollte Maximilian Beyer die Gelegenheit beim Schopfe packen und nach seinem dritten Platz bei den Weltmeisterschaften 2015 in der gleichen Disziplin für eine weitere internationale Medaille gut sein.

 

Bernd Mülle   

 

Foto: C. Becker  

 

  

 

- Ausnahmeathletin Kristina Vogel will Medaillensammlung komplettieren –

Der Projektmanager Burckhard Bremer und sein Pressesprecher Thomas Juschus luden am Mittwoch zur 1. Pressekonferenz anlässlich der vom 19. bis 22. Oktober 2017 im Berliner Velodrom stattfindenden Bahn-Europameisterschaften ein. Als prominente Gäste waren der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) Rudolf Scharping, der Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport in Berlin Christian Gaebler, die zweimalige Olympiasiegerin und neunfache Weltmeisterin im Bahn-Kurzzeitbereich Kristina Vogel und der Architekt für Radrennbahnen Ralph Schürmann dabei, die den recht zahlreichen Medienvertretern mit Rede und Antwort zur Verfügung standen. Auch Berlins bekannter Nationalfahrer im Bahn-Ausdauerbereich Theo Reinhardt hatte als interessierter Beobachter den Weg ins Velodrom gefunden.

Als Moderator der Veranstaltung stand der bewährte Christian Stoll zur Verfügung, der in bekannt lockerer Art seinen Gesprächspartnern einige interessante Dinge entlocken konnte. So gab Christian Gaebler zu Protokoll, dass der Senat einen Zuschuss in sechsstelliger Höhe für die Europameisterschaften leistet und in absehbarer Zeit auch mit dem Berliner Radsport Verband e.V. (BRV) Gespräche geführt werden, um den Stellenwert und die Akzeptanz des Radsports mit aufstrebenden Disziplinen wie BMX oder Trial zu erhöhen. Im Zuge der jüngst erfolgten Absagen der Tour de Berlin und des traditionellen Rollbergrennens eine mehr als notwendige Initiative, die von den vielen Radsportfans nur begrüßt werden kann. „Mit der Erneuerung der 250-Meter-Piste des Velodroms nach 20 Jahren stellen wir ferner 1,6 Millionen Euro bereit und zeigen damit deutlich, dass uns der Radsport in der Hauptstadt am Herzen liegt“, machte Christian Gaebler eine Aussage, die auch dem anwesenden Präsidenten des BRV Ralf Zehr gefallen haben dürfte.

Auch Rudolf Scharping sagte Hilfe zu, um an einem gemeinsamen „Runden Tisch“ die vorhandenen Probleme zu lösen. „Der Start der diesjährigen Tour de France in Düsseldorf, die im nächsten Jahr wieder rollende Deutschland-Rundfahrt und die hochkarätigen Veranstaltungen in den nächsten Jahren auf der Bahn des Velodroms wie Weltcup (2018), Deutsche Bahn-Meisterschaften (2019) oder Weltmeisterschaften (2020) sind richtungweisend für die Zukunft des Radsports in Deutschland, wobei wir für die Europameisterschaften in diesem Jahr, die kein Selbstläufer sind, in den letzten acht Wochen noch kräftig die Werbetrommel rühren müssen“, so Rudolf Scharping, der für bessere Kommunikation und weniger Bürokratie in allen Bereichen plädierte und für das Ehrenamt den gebührenden Stellenwert einfordert.

Die Europameisterschaften werden auf einer runderneuerten Piste zur Austragung kommen, die dann auch aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen wird. Dafür verantwortlich zeichnet Ralph Schürmann, dessen Architekten-Familie in nunmehr dritter Generation weltweit fast 150 Radrennbahnen geplant und installiert hat. Seit gestern haben die Bauarbeiten begonnen, die spätestens Ende August abgeschlossen sein müssen. Die vorhandene Geometrie der Bahn bleibt erhalten und auch der Belag wird wieder aus sibirischer Fichte sein, der laut Aussagen von Ralph Schürmann höchstwahrscheinlich zu noch schnelleren Zeiten führen wird.

Erwartet zur Bahn-Europameisterschaft werden etwa 300 Fahrer-/innen aus 30 Nationen, die in 23 Entscheidungen ihre Titelträger ermitteln. Darunter auch das bei den Zuschauern immer sehr beliebte Steherrennen, wo Stefan Schäfer aus Cottbus als Titelverteidiger antritt. Neben so starken Nationen wie Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Russland oder Italien werden auch die Deutschen bei den Entscheidungen ein ernstes Wort mitsprechen wollen. „Ich möchte hier gern meine Titelsammlung komplettieren und sehe Berlin als gutes Pflaster hierfür an“, gab Kristina Vogel zu verstehen, der nach Siegen im Sprint in Apeldoorn 2013 und im Keirin in Guadeloupe 2014 noch der EM-Titel im Teamsprint fehlt. In Topform will sie sich in der Hauptstadt im Oktober präsentieren und hat dafür extra die Keirin-Wettbewerbe in Japan abgesagt. Nach dem Großen Preis von Deutschland in Cottbus am kommenden Wochenende, wird sie dann erst einmal einen Kurzurlaub antreten und danach in Erfurt ihren Dienst als Polizeihauptmeisterin aufnehmen.

„Meine Lieblingsbahn steht übrigens in Cali/Kolumbien und das Radfahren macht mir immer wieder viel Spaß mit dem Gefühl, auf einer Achterbahn unterwegs zu sein“, äußerte sich die Modellathletin auf Fragen der Medienvertreter. Sie will auf alle Fälle bis 2020 aktiv sein und dafür kann man ihr nur alles Gute wünschen. Es ist wahrlich an der Zeit, dass die sympathische Erfurterin einmal zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt wird.

Bernd Mülle        

 

     

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