- Maurice Ballerstedt und Patrick Dietze auf Platz 4 und 5 –

Nur wenige Berliner Nachwuchsfahrer fanden den Weg nach Köln, um an den Deutschen Meisterschaften im Omnium teilzunehmen. Insgesamt sechs Akteure waren es, die in den zwei Altersklassen Schüler/Schülerinnen U 15 sowie weibliche und männliche Jugend an den Start gingen. So starteten die Geschwister Fabienne und Elena Jährig vom SC Berlin bei den Schülerinnen U 15, ihre Vereinskameraden Bruno Essinger und Tim Schulz bei den Schülern U 15, während bei der männlichen Jugend mit Maurice Ballerstedt ein weiterer Fahrer des SC Berlin dabei war, der hier gemeinsam mit Patrick Dietze vom Radteam Cöpenick zu den 40 Fahrern zählte, die sich für das Omnium mit maximal 24 Startern in zwei als Punktefahren ausgetragenen Vorläufen erst noch qualifizieren mussten. Bei der weiblichen Jugend waren dagegen keine Starterinnen aus unserem Landesverband vertreten.

Im ersten Vorlauf der Jugend erreichte Patrick Dietze, der gemeinsam mit vier weiteren Fahrern einen Rundengewinn erzielt hatte, den 5. Platz, womit er sich problemlos für das Omnium qualifiziert hatte. Der zweite Vorlauf wurde eine Beute von Maurice Ballerstedt, der so starke Fahrer wie Luca Rohde von der RG Hamburg und Theo Zetzsche vom RC Luckau auf die weiteren Plätze verwies. Hier gab es keine Rundengewinne und erst die letzten beiden Spurts von insgesamt acht entschieden das Rennen zu Gunsten des Berliners, der durch die doppelt zählende Schlusswertung noch auf Platz 1 fuhr.

Dann war das Scratchrennen als Auftakt des Omnium-Wettbewerbs an der Reihe, das von Henri Uhlig vom RSC Kelheim vor Laurin Drescher vom ESV Lok Zwickau und Patrick Dietze gewonnen wurde, wobei Maurice Ballerstedt auf Platz 7 landete. Die Temporunden sah Tom Lindner vom ESV Lok Zwickau vorn, der Leslie Lührs vom RSV Irschenberg und Luca Rohde hinter sich ließ und auch hier belegte Maurice Ballerstedt den siebten Rang, während Patrick Dietze mit Platz 12 etwas an Boden einbüßte. Im folgenden Ausscheidungsfahren bot er aber eine Klasseleistung als Zweiter hinter Luca Rohde und auch Maurice Ballerstedt auf Platz 5 konnte durchaus überzeugen. Das abschließende Punktefahren musste die Entscheidung bringen und im Zwischenergebnis vor dem Finale lag Patrick Dietze auf einem ausgezeichneten dritten Platz, während Maurice Ballerstedt mit Rang 5 ebenfalls noch aussichtsreich im Rennen lag.

Gegen einen überragenden Luca Rohde hatten dann aber die beiden Berliner keine Chance, auch wenn sie sich erneut hervorragend aus der Affäre zogen. Im Finale ohne Rundengewinne erspurtete sich der Hamburger 22 Punkte und siegte am Ende mit 128 Punkten vor Laurin Drescher mit 101 Punkte und Henrik Josten vom RSC Dorsten mit 97 Punkten, der mit nur einem Punkt Vorsprung Maurice Ballerstedt auf den undankbaren vierten Platz verwies. Der Fahrer des SC Berlin konnte seinerseits Patrick Dietze hinter sich lassen, der mit 94 Punkten  Platz fünf belegte und das tolle Ergebnis der Berliner vervollständigte.

Bei den Schülern U 15 hatten es Bruno Essinger und Tim Schulz sehr schwer, schafften aber immerhin unter 31 Startern die Qualifikation der 24 Besten für das Omnium. Im ersten Vorlauf wurde Tim Schulz Neunter und Bruno Essinger errang im zweiten Vorlauf als Zwölfter gerade noch den Sprung in den sechsteiligen Wettbewerb, der aus Scratch, Einerverfolgung, Ausscheidungsfahren, 500 m Zeitfahren, 100 m fliegend und dem Punktefahren bestand. Unmittelbar vorhergehende Krankheiten und dazu noch eine Klassenfahrt von Tim Schulz waren alles andere als eine gute Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft, bei der beide Fahrer chancenlos blieben. „Dazu fehlten im Vorfeld auch Vergleiche mit der Konkurrenz, so dass eine realistische Einschätzung der Leistungen kaum möglich war“, äußerte sich Michael Bräunig, seit Jahren im Trainerteam des SC Berlin tätig. Am Ende blieben für Tim Schulz und Bruno Essinger nur die Plätze 22 und 23 übrig, wobei ein 10. Platz von Bruno Essinger im Ausscheidungsfahren noch die mit Abstand beste Einzelleistung darstellte. Für den als äußerst talentiert geltenden Tim Schulz, der erst 2016 mit dem Radsport begonnen hat und dem ein Jahr länger aktiven Bruno Essinger waren diese Deutschen Meisterschaften auf der Bahn der erste nationale Vergleich, auf dem sich aufbauen lassen sollte. Im Gesamtergebnis siegte Benet Metz von der RG Hamburg mit 135 Punkten vor Philip Straßer vom RV Sport Queidersbach mit 118 Punkten, der mit einem Punkt Vorsprung Benjamin Boos vom RSV Ellmendingen auf den dritten Platz verwies. Der neue Deutsche Meister Benet Metz hatte bis auf die Einerverfolgung alle anderen Disziplinen für sich entschieden.

Für die beiden Schülerinnen Fabienne und Elena Jährig hingen die Trauben ebenfalls sehr hoch, was durchaus auch zu erwarten war. Beide sind erst seit diesem Jahr beim SC Berlin  und fahren damit jeweils ihre erste Saison. Talentiert sind sie zweifellos und so war der Start bei diesen Meisterschaften ein erster Schritt in die richtige Richtung. Im Gesamtergebnis erreichte Fabienne Jährig den 16. Platz und auch der 19. Platz von Elena Jährig unter den 23 Teilnehmerinnen konnte letztlich zufriedenstellen. Sie war es auch, die das beste Einzelergebnis im Ausscheidungsfahren mit einem fünften Platz erzielte. Neue Deutsche Meisterin wurde mit 122 Punkten Carolina Fuchs vom RSV Irschenberg ganz knapp vor Carolin Hartmann vom RC Kleinmachnow mit 121 Punkten und Stephanie Bräunlich vom SSV Gera mit 111 Punkten.

Der guten Ordnung halber sei noch die überragende Alessa-Catriona Pröpster von der RSG Zollern Alb erwähnt, die im Wettbewerb der weiblichen Jugend ohne Berliner Beteiligung überlegen Deutsche Meisterin wurde. Nach dem Sieg im Scratch und im Ausscheidungs-fahren verteidigte sie ihre Führung im abschließenden Punktefahren und distanzierte mit 125 Punkten Hanna Dopjans vom RSV Irschenberg mit 117 Punkten und Friederike Stern vom RV Elxleben mit 113 Punkten auf die Plätze zwei und drei.

 

Bernd Mülle      

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Albert_Richter_velodrome.jpg?uselang=de#filelinks

 

 

 

       

 

 

 

 

 

 

 

 

- Etappensieg und 5. Platz in der Gesamtwertung –

Die 38. Internationale Oderrundfahrt vom 06.07. bis zum 09.07.2017 stand ganz im Zeichen der Schüler U 15 und der Elite Männer, die vier bzw. fünf Etappen auszutragen hatten. Wie in all den vergangenen Jahren waren auch dieses Mal Starter aus Berlin dabei, wobei bei den Schülern leider nur Fahrer aus den beiden Vereinen Marzahner RC 94 und SC Berlin antraten. In Anbetracht der bevorstehenden Internationalen kids-tour war diese Rundfahrt eine hervorragende Gelegenheit, sich entsprechend vorzubereiten, die leider nur von den beiden Spitzenvereinen im Nachwuchsbereich wahrgenommen wurde.

Für den Marzahner RC 94 waren neben Henning Sage, der gleich auf der 1. Etappe über 32,4 km bei „Rund um die Oderniederung“ einen hervorragenden 2. Platz im Massenspurt hinter dem Luxemburger Charel Dax belegte, noch Robin Ruhe, Paul Arndt, Paul Quabs, Robby Pohl und Felix Fleischmann dabei, während der SC Berlin mit Erik Leonhardt, Enno Paul Rohde, Pepe Strube und Janis Kullmann angetreten war. Leider waren es nur insgesamt 60 Starter, da die Oderrundfahrt u.a. mit den zur gleichen Zeit in Köln stattfindenden Deutschen Meisterschaften im Omnium kollidierten. Hervorragend auf dieser 1. Etappe auch die Platzierung von Robin Ruhe auf dem 7. Rang, während Robby Pohl und Felix Fleischmann durch einen Sturz bzw. einem Schaltungsschaden leider zurückfielen und einige Zeit einbüßten.          

Beim Einzelzeitfahren über 10,8 km triumphierte Oliver Spitzer vom ESV Lok Zwickau, der 16:10,317 Minuten benötigte und den Luxemburger Alexandre Kess mit 17 Sekunden Rückstand auf Platz 2 verwies. Für Henning Sage blieb mit 46 Sekunden Rückstand ein guter 6. Platz übrig und auch Robin Ruhe konnte mit Platz 8 (58 Sekunden zurück) überzeugen. Bei trockenen und warmen Wetter zeigte auch Felix Fleischmann als 18. eine ansprechende Leistung, zumal der junge Mann erst in diesem Jahr mit dem Radsport begonnen hat. Der Zwickauer übernahm auch gleichzeitig die Führung in der Gesamtwertung vor den beiden Luxemburgern Alexandre Kess und Charel Dax mit Henning Sage als bestplatzierten Berliner auf Rang 6.    

Die 3. Etappe um den Güldendorfer Bergpreis führte über 35 km und wurde von den Berlinern nahezu dominiert. Der Sieg ging an Henning Sage vor Noah Böker von der RG Hamburg und Oliver Spitzer, der Paul Arndt auf den vierten Platz verwies. Mit sechs Sekunden Rückstand erreichten fünf Fahrer das Ziel mit dem Spurtsieger Erik Leonhardt, der mit dem fünften Platz das tolle Ergebnis der Berliner vervollständigte. Ein Sieg von Henning Sage und zwei zweite Plätze von Robin Ruhe in den Sprintwertungen unterstrichen die an diesem Tag starken Leistungen der Berliner. Damit verbesserte sich Henning Sage auf Platz drei der Gesamtwertung mit einem Rückstand von nur 34 Sekunden auf Oliver Spitzer und 14 Sekunden auf Alexandre Kess.

Am Schlusstag waren noch einmal 32,4 km bei „Rund um den Zeisigberg“ zu absolvieren und hier waren Kopfsteinpflaster und relativ steile Anstiege zu bewältigen. Die beiden Spitzenreiter Oliver Spitzer und Alexandre Kess machten auch in dieser Reihenfolge das Rennen unter sich aus und erreichten das Ziel mit zwei Sekunden Vorsprung vor Nicolas Zippan vom RSV Königswusterhausen/Wildau auf Platz drei und Charel Dax, während Henning Sage als Sechster weitere 11 Sekunden verlor. In der Gesamtwertung siegte schließlich Oliver Spitzer vor Alexandre Kess, während sich Nicolas Zippan noch Platz drei erkämpfte. Für Henning Sage blieb dennoch ein ausgezeichneter 5. Platz übrig und auch die Leistungen von Robin Ruhe (12.), Paul Arndt (13.) und Erik Leonhardt (19. und 3. des jüngeren Jahrganges) konnten sich sehen lassen. Unter den 55 Fahrern, die das Rennen beendeten, waren auch Felix Fleischmann (38.) und Robby Pohl (40.), die nach ihren Missgeschicken am ersten Tag sich noch gewaltig steigerten.

Bei der Elite Männer ging es am ersten Tag über 75 km um den Großen Preis der Stadt Frankfurt/Oder, der im Massenspurt von Manuel Porzner vom Team Heizomat vor den deutschen Nationalfahrern Maximilian Beyer und Konrad Geßner gewonnen wurde. Vom KED-Stevens Radteam Berlin war Marcel Franz zeitgleich auf Platz 6 am besten platziert, während seine Teamkameraden Oskar Gebauer (75.), Hannes Augustin (79.), Tobias Magdeburg (81.), Sebastian Schmiedel (92.) und Nazir Jaser (95.) schon erhebliche Zeitrückstände aufzuweisen hatten. Auch die Fahrer der Renngemeinschaft Eichhörnchen hatten große Rückstände zu verzeichnen, ihr Bester war Jeremy Lendowski auf Rang 68, während Jan Weber (100.), Robert Bolle (101.), Maximilian Möbis (108.) und Oliver Bredlau (110.) schon nach dem ersten Tag aussichtslos zurücklagen. Darüber hinaus hatte Christopher Schulz im Feld der 116 Starter das Rennen aufgegeben.

Am zweiten Tag wurden 162 km zurückgelegt und hier feierte die deutsche Nationalmannschaft mit Maximilian Beyer und Konrad Geßner einen Doppelsieg und erneut fuhr Marcel Franz mit Platz 5 eine gute Platzierung heraus. Mit Hannes Augustin, Sebastian Schmiedel und Nazir Jaser auf den Plätzen 15 bis 17 schlugen sich drei weitere Fahrer vom KED-Stevens Radteam ausgezeichnet und blieben dabei ohne Zeitverlust. Von der Renngemeinschaft Eichhörnchen belegte Jeremy Lendowski wiederum als Bester Platz 39 und verlor dabei auch nur neun Sekunden. Die Gesamtwertung führte nunmehr Maximilian Beyer mit sechs Sekunden Vorsprung vor Konrad Geßner und Manuel Porzner an, wobei Marcel Franz auf Platz 6 mit 16 Sekunden Rückstand folgte.

Die dritte und vierte Etappe wurden am Samstag ausgetragen und das zunächst anstehende Einzelzeitfahren über 19,8 km beendete der Luxemburger Tom Wirtgen mit einer Zeit von 24:16,178 Minuten als Sieger und mit einem Vorsprung von 38 Sekunden (!) vor Manuel Porzner, womit er auch die Führung in der Gesamtwertung übernahm. Für die Berliner gab es hier kaum etwas zu holen, wobei Marcel Franz als erneut Bester auf Platz 21 einen Rückstand von 1:29 Minuten in Kauf nehmen musste. Der Güldendorfer Bergpreis über 87,5 km trennte dann die Spreu vom Weizen und dabei gab es zum Teil riesige Zeitabstände zu verzeichnen. Mit Robert Müller vom Herrmann Radteam als Sieger hatte nicht jeder gerechnet, der allein mit drei Sekunden Vorsprung vor Stefan Brandlmeier vom Veloclub Ratisbona und dem starken Manuel Porzner ins Ziel kam. Das Hauptfeld mit Marcel Franz (26.), Nazir Jaser (45.) und Jeremy Lendowski (46.) hatte da schon mehr als drei Minuten verloren und das übrige Feld musste schließlich bis zum Teil über 30 Minuten preisgeben. Damit übernahm nun Manuel Porzner die Führung in der Gesamtwertung, gefolgt von Justin Wolf von der deutschen Nationalmannschaft und Jonas Rapp vom Team Heizomat.

Zum Abschluss ging es am Sonntag noch einmal hart zur Sache, wobei 151,2 km zurückzulegen waren. Der am Vortag so starke Robert Müller glänzte erneut auf der selektiven Strecke mit einem ausgezeichneten 2. Platz hinter dem niederländischen Sieger Jasper Schouten vom Team WV De IJsselstreek, die zusammen mit vier weiteren Fahrern einen kleinen Vorsprung von sieben Sekunden herausgefahren hatten. Im großen Feld landete Marcel Franz auf Platz 24 vor Jeremy Lendowski, der auf Platz 34. einkam, während auf der Schlussetappe nicht weniger als 19 Fahrer aufgaben, darunter auch der Luxemburger Tom Wirtgen und Maximilian Beyer. Verdienter Gesamtsieger der Oderrundfahrt wurde mit Manuel Porzner der insgesamt stärkste Fahrer, der am Ende vor Justin Wolf und Jonas Rapp die Nase vorn hatte. Für Marcel Franz vom KED-Stevens Radteam reichte es zum 15. Platz, was angesichts der starken Konkurrenz durchaus als Erfolg zu werten ist. Mit Platz 37 konnte auch Jeremy Lendowski von der Renngemeinschaft Eichhörnchen ein achtbares Resultat erzielen.

 

Bernd Mülle          

 

 

 

 

 

 

- Düsseldorf erlebt ein Ereignis der Extraklasse –

An den Start der Tour de France im damaligen West-Berlin 1987 kann ich mich noch gut erinnern als ein Radsportfan, der diese spektakuläre Sportart seit den sechziger Jahren mit immer steigendem Interesse verfolgt hat. Als es hieß, dass das geteilte Berlin den Zuschlag für den Start der Tour de France anlässlich der 750 Jahr-Feier erhielt, kannte meine Begeisterung keine Grenzen und die Erwartungshaltung für das größte Radsportereignis der Welt war enorm.

Das offizielle Programm von 1987 mit 23 Teams zu damals wie heute je neun Fahrern wies Namen auf, die auch jetzt noch zum Teil große Popularität besitzen bzw. nunmehr Positionen als Manager oder Sportliche Leiter bekleiden. Da waren der Franzose Marc Madiot von Systeme „U“, heute Generalmanager von FDJ, sein Landsmann Jean-Rene Bernaudeau von Fagor, heute Generalmanager von Direct Energie, der Belgier Marc Sergeant von Joker-Emerxil-Eddy Merckx, heute Generalmanager von Lotto Soudal und der Sieger der 1. Etappe im 105,5 km langen Straßenrennen am 02. Juli 1987 Nico Verhoeven aus den Niederlanden, der 2017 Sportlicher Leiter beim Team Lotto NL-Jumbo ist. Immer noch als Sportlicher Leiter dabei ein Hilaire van der Schueren, damals bei Superconfex-Kwantum-Yoko und heute bei der Wanty-Groupe Gobert.  Ferner sah man in Düsseldorf die Generalmanager Eusebio Unzue vom Movistar Team und Patrick Lefevere von Quick-Step Floors, die damals in Berlin bereits  Sportliche Leiter bei Reynolds-Seur-Sada bzw. Joker-Emerxil-Eddy Merckx waren.

Mit der Startnummer 7 startete ein Mann, den heute jeder interessierte Radsportfan vom Sender Eurosport kennt: der perfekt deutsch sprechende Franzose Jean-Claude Leclercq, durch seine fachkundigen Kommentare bekannt, fuhr in Diensten seines französischen Kapitäns Jean-Francois Bernard für Toshiba-Look-La Vie Claire die Tour und belegte am Ende Platz 50, seine beste Platzierung bei insgesamt sechs Teilnahmen. Aber inzwischen sind halt 30 Jahre vergangen und so sind auch einige der damaligen Radstars nicht mehr unter uns: der Belgier Claude Criquielion (verstorben im Februar 2015), der Franzose Laurent Fignon (August 2010), der Niederländer Gerrie Knetemann (November 2004) oder der Belgier Rudy Dhaenens (April 1998) zählten seinerzeit zu den Stars dieser Tour, die mit einem Prolog als Einzelzeitfahren begann, das der Niederländer Jelle Nijdam gewann und Dietrich Thurau, für Roland-Skala fahrend, einen guten 6. Platz errang.

Berlins damaligem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen sei Dank, dass er dieses Großereignis trotz der Widrigkeiten, die sich aus der politischen Situation Berlins ergaben, aber mit der Hilfe der französischen Schutzmacht nach West-Berlin geholt hat. Ob am Kurfürstendamm beim Prolog, beim Straßenrennen mit Zieleinlauf am Schöneberger Rathaus oder beim Mannschaftszeitfahren, die Berliner standen in Scharen an der Strecke und jubelten ihren Helden zu. Der Besuch der Tour de France kostete Berlin damals drei Millionen Mark, ein Bruchteil dessen, was heutzutage in der Hauptstadt zum Teil sinnlos an Geldern vergeudet wird.

Der ehemalige Generaldirektor der Societe du Tour de France Jacques Goddet zeigte sich stolz, mit dem Tourstart zur Feier des 750. Geburtstages Berlins beitragen zu können. Das hatte so etwas wie Symbolcharakter und war ein starkes Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft und lebte nun nach 30 Jahren in Düsseldorf  beim Grand Depart wieder auf. Jetzt waren es der radsportbegeisterte Oberbürgermeister Thomas Geisel und der Direktor der Tour de France Christian Prudhomme, die dieses Großereignis wieder nach Deutschland holten und für ihre Bemühungen mit den unerwartet großen Zuschauermassen trotz schlechter Wetterbedingungen mehr als belohnt wurden.

Dieses Mal war ich als Journalist für die Tage in Düsseldorf akkreditiert und konnte damit auch hinter die Kulissen schauen. Die Tour ist ein riesiges Unternehmen, das einen logistischen Aufwand erfordert, der nur von einem seit Jahren eingespielten Team zu stemmen ist. Ein Rad greift in das andere, jeder Mitarbeiter ist dabei gefordert und die zur Zeit kaum überschaubare politische Situation verbunden mit Terrorangriffen führte zu noch mehr Sicherheitsmaßnahmen wie z.B. Taschenkontrollen, die alle aber mit entsprechender Geduld über sich ergehen ließen. Der Oberbürgermeister war mehr als stolz über seine Stadt, die einen würdigen Rahmen für den Start der 104. Tour de France bildete und damit auch für den deutschen Radsport ein Zeichen setzte, der im nächsten Jahr mit der Rückkehr der Deutschland-Rundfahrt ein weiteres Highlight erleben soll.

Als Berliner kann man da nur mit Wehmut zuschauen und hoffen, dass die vielen Versprechen zur Erhaltung des Radsports in der Hauptstadt auch in die Tat umgesetzt werden. Wie es geht zeigte damals schon Eberhard Diepgen und hier in Düsseldorf Thomas Geisel, dessen Namensvetter Andreas Geisel, derzeit Senator für Inneres und Sport in Berlin, sich einmal mit dem Oberbürgermeister in Verbindung setzen sollte. Nach den vielen Absagen von Radsportevents wie die Tour de Berlin oder dem Rollbergrennen, die in erster Linie an bürokratischen Auflagen gescheitert sind, ist er jetzt und künftig gefordert, nicht nur den Fahrradverkehr allgemein, sondern auch den Rennradsport in der Stadt zu unterstützen. Aussagen seines Staatssekretärs Christian Gaebler anlässlich der Pressekonferenz zu den kommenden Bahn-Europameisterschaften im Velodrom lassen hoffen, dass in dieser Hinsicht sich doch im nächsten Jahr einiges bewegen wird. Die 65. Tour de Berlin im Jahre 2018 sollte dabei im Focus stehen, denn sie gilt seit vielen Jahren als eines der Sprungbretter in die Profiszene.

Bernd Mülle         

Werte Vereinsvorsitzende, Trainer,

im Juli 2017 gibt es aus organisatorischen Gründen folgende Schließtage der GST:

-          Freitag, den 07.07.2017

-          Freitag, den 28.07.2017

 

C. Mähler

Geschäftsstellenleiterin

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