Im Alter von 88 Jahren verstarb am 19. Juni 2017 in Berlin-Buch der einstige Winterbahn-Matador Ronald Maraun. Der überall als „Ronny“ populäre Berliner (geboren am 10. September 1928) gehörte seit 1948 zu den vielseitigsten Radsportlern, der auf Straße und Bahn gleichermaßen zu Erfolgen kam. Er startete in den Nachkriegsjahren für die Stadtbezirksmannschaft Mitte, die unter Leitung des Sportfunktionärs Paul Szostak geschlossen in den Westteil der Stadt wechselte und dem Berliner Radsport-Club Endspurt 1911 beitrat. Dort zeigte sich Maraun an der Seite des erfahrenen Willy Irrgang als aufgehender Stern. Im klassischen Rennen Berlin-Cottbus-Berlin 1950 über 260 km konnten sie das beide als die Besten beweisen.

Ein Jahr darauf trug Ronny Maraun das Trikot der BSG Einheit Berliner Bär, entwickelte sich zu einem der besten Bahnfahrer der Sektion Radsport der DDR, der besonders auf der Winterbahn an der Landsberger Allee brillierte. Der kesse Berliner wurde zum Inbegriff der wendigen, klugen und  erfolgreichen Fahrweise in Einzel- und Zweier-Mannschaftswettbewerben, auf die einstige Kontrahenten bis heute Loblieder singen.  Mit einer Vielzahl von Partnern wie Heinz Gleinig, Werner Gräbner, Werner Malitz, Fritz Jährling, Günter Oldenburg, Dieter Lüder und Siegfried Köhler fuhr er glänzende Zweier-Siege heraus. Und mit Heinz Wahl und „Hanne“ Wagner errang er die Siege in den Saisonmarathons „1001 Runde“ (1956 und 1957). Besonders dominierend trumpfte „Ronny“ in der jährlich als Höhepunkt ausgetragenen Stunde der Matadoren auf. Nach dem Ehrenplatz 1951 hinter Georg Sternberg gewann er diesen Klassiker 1953, 1954, 1956, 1957 und zum Abschied seiner Laufbahn auch 1958.

Seine Liebe gehörte auch den Dauer-/Steherrennen. 1951 gewann er in Nordhausen den ersten DDR-Meistertitel hinter Schrittmacher Erich Wedermann und verteidigte diesen ein Jahr darauf in Forst hinter Horst Aurich erfolgreich. Auf den Sommerbahnen und in der Werner-Seelenbinder-Halle kam er zu zahlreichen weiteren Steher-Erfolgen. Der vielseitige Akteur war außerdem DDR-Meister 1954 mit dem Bahnvierer Einheit Berliner Bär (mit Fritz Jährling, Günter Oldenburg und Heinz Wahl) sowie 1955 mit Fritz Jährling im Zweier-Mannschaftsfahren. Dreimal war er DDR-Vizemeister: 1951 und 1952 im 100 km Mannschaftsfahren mit den Sextetts von Einheit Berliner Bär und 1956 mit dem Bahnvierer des SC Einheit Berlin.

Nach dem Ende der Winterbahnsaison und einer Bilanz von über 200 Siegen übernahm Ronny Maraun die legendäre HO-Sportartikelverkaufsstelle am Berliner Strausberger Platz, die ein Treffpunkt aller rennfahrenden Akteure wurde, weil dort ihre Bestellungen und Wünsche fast immer realisiert wurden. Ende 1961 wechselte Maraun aus privaten Gründen nach Karl-Marx-Stadt. Erst nach Jahrzehnten kehrte er 2008 wieder in die einstige Heimatregion zurück und lebte in der Gemeinde Stolzenhagen (Wandlitz) nördlich von Berlin.

 

Werner Ruttkus

 

Über den Verband

Kontakt

Folge uns

Anmeldung