- Große Überraschungen blieben aus –

Der Rahmen im Hotel Estrel für die Ehrung der Berliner Sportler des Jahres passt einfach! Festliches Ambiente mit musikalischer Umrahmung durch „Stars in Concert“, dazu Speis und Trank vom Feinsten, all das sorgte für ein wieder rundum gelungenes Fest. Unter der Moderation von Silke Beickert, dem neuen Gesicht beim rbb Sport, und dem schon etablierten Matthias Killing, der den Sportinteressierten als Moderator und Reporter vom Fußball, Boxen, Tennis und auch Basketball bestens bekannt ist, wurden Berlins Sportler gebührend für ihre in diesem Jahr errungenen Leistungen geehrt.

Zum 39. Mal fand die Ehrung statt und unter den Gästen konnten sich bestimmt noch einige daran erinnern, als 1979 der Moderne Fünfkämpfer Christian Sandow als erster Berliner Sportler des Jahres ausgezeichnet wurde. Die lange Liste umfasst inzwischen mit den Mehrfachsiegern Sven Ottke (7 Mal), Andreas Wecker, Robert Harting und Arthur Abraham (je 4 Mal) sowie Britta Steffen und Franziska van Almsick (je 4 Mal) auch Sportler, die es international zu großem Ruhm gebracht haben. Ganz zu schweigen von der unverwüstlichen Claudia Pechstein, die mit 20,50 % als Siegerin bei den Frauen erneut triumphierte und das zum sage und schreibe 8. Mal, nachdem sie schon 1998 erstmals zur Berliner Sportlerin gekürt wurde. Chapeau! Hier war der zweite Platz von der Karatekämpferin Duygu Bugur mit 19,51 % etwas überraschend, während Vorjahressiegerin Lisa Unruh mit ihrem dritten Rang mit 12,01 % der Stimmen sehr gut leben konnte. Einen guten 7. Platz mit 6,29 % belegte Radsportlerin Charlotte Becker, die sich zur Zeit im Trainingslager auf Mallorca befindet.

Ein zweiter, für die Wahl nominierter Radsportler war Robert Förstemann, der nachträglich noch in die Liste mit aufgenommen wurde, da er bei den Bahn-Europameisterschaften im Berliner Velodrom Ende Oktober eine Silbermedaille im Teamsprint gewonnen hatte. Von den 11 zur Wahl stehenden Athleten war er mit 4,89 % der Stimmen „nur“ auf dem letzten Platz zu finden, aber auf die Frage, ob das für ihn eine Enttäuschung wäre, antwortete er wie folgt: „Ich freue mich überhaupt nominiert und bei dieser großartigen Veranstaltung dabei zu sein und bin doch letztlich elftbester Sportler Berlins, was will ich mehr?“ Das war genau die richtige Antwort eines sympathischen Sportlers und glücklichen Familienvaters, dessen Ehefrau mit den beiden Söhnen ( 4 Jahre bzw. 4 Monate alt) leider zu Hause bleiben musste. Robert Förstemann bestreitet noch am kommenden Wochenende in Frankfurt/Oder ein Rennen, bevor es nach den Feiertagen zum Training nach Kapstadt geht, von wo aus er dann zum 107. Berliner Sechstagerennen zurückkehrt, um dort zum 8. Mal an den Start zu gehen und seine Bilanz von vier Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang weiter aufzubessern. Der ehrgeizige, immerhin schon 31-jährige Berliner hat darüber hinaus noch die nächsten Bahn-Weltmeisterschaften vom 28. Februar bis 04. März 2018 im niederländischen Apeldoorn im Visier, wo er im Teamsprint mit einer weiteren Medaille liebäugelt.

Gegen die geballte Konkurrenz des Wasserspringers Patrick Hausding, der mit 15,72 % zum zweiten Mal Berliner Sportler des Jahres wurde, des Turners Lukas Dauser und des Diskuswerfers Robert Harting, die bei der Wahl auf den Plätzen zwei und drei einkamen, hatte der Radsprinter Robert Förstemann aber nur geringe Chancen, zumal diese drei Athleten auch mit hochkarätigen Leistungen aufwarten konnten. Ebenso verdient wie der Wahlsieg des langjährig erfolgreichen Patrick Hausding war auch der Ausgang der Wahl zur Mannschaft des Jahres. Nach 2013 und 2016 siegten auch in diesem Jahr die BR Volleys mit 16,32 % vor dem 1. FC Union und den Füchsen Berlin und sorgten somit für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Die Verteidigung des deutschen Meistertitels und der schon sensationelle Einzug ins Final Four der Champions League rechtfertigten allemal die Wahl zu Gunsten der Volleyballer, deren Manager Kaweh Niroomand in der Kategorie Trainer/Manager des Jahres eine weitere Ehrung erfuhr.

Hinter dem zum dritten Mal mit 14,86 % der Stimmen gewählten Bob Hanning, der als Geschäftsführer und Nachwuchstrainer der Füchse Berlin für deren Aufschwung in den letzten Jahren gesorgt hat, landete Kaweh Niroomand auf Platz zwei der Wahl vor Pal Dardai, der in den letzten beiden Jahren zum Trainer des Jahres gewählt worden war. Der sympathische und seit Jahren für die BR Volleys stark engagierte Kaweh Niroomand trat nach der Verleihung des Manfred von Richthofen-Solidaritäts-preises an den schwer verunglückten ehemaligen Profi-Boxer Eduard Gutknecht nochmals ins Rampenlicht. Der mit schweren Hirnverletzungen mehrere Wochen im Koma liegende Boxer ist nach monatelanger Reha wieder zu seiner Frau und den drei kleinen Kindern nach Gifhorn zurückgekehrt und versucht sich, ins Leben zurückzukämpfen. Neben dem mit 5.000 Euro verbundenen Preis spendete der Manager der BR Volleys spontan 25.000 Euro und setzte damit ein deutliches Zeichen.   Die anwesende Ehefrau war angesichts dieser Anteilnahme gerührt, wohlwissend, dass ihre Familie vor einer auch finanziell schwierigen Zukunft steht.

Geehrt mit dem Sonderpreis der Sportmetropole Berlin wurde Jan Kretzschmar, als Mr. Wasserspringen über vier Jahrzehnte aktiv und nunmehr in Rente gehend. Mit insgesamt 81 Medaillen für seine Schützlinge bei internationalen Meisterschaften kann man seine Trainerlaufbahn durchaus als einzigartig bezeichnen. Als Juniorsportler des Jahres gab es darüber hinaus noch Ehrenpreise für die Leichtathletin Gisele Wender, dem Ruderer Moritz Wolff, dem Segler Nico Naujock und dem Tennisspieler Rudi Molleker.

Das mit über 2.000 Gästen wieder hervorragend organisierte Event mit Tanz bis in die frühen Morgenstunden stand ganz im Zeichen der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin 2018. Mit diesem Großereignis will sich die Sportmetropole Berlin erneut von ihrer besten Seite zeigen. Für einen Robert Harting sollte dieses Ereignis noch einmal eine Medaille wert sein, mit der er seine große Karriere beenden und dann vielleicht bei der 40. Wahl zum Berliner Sportler des Jahres im Hotel Estrel erneut geehrt werden könnte.      

Bernd Mülle        

Foto: Robert Burkhardt 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

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